Südostasien: Ein schweres Erdbeben hat am Freitag, 28.03.2025, Südostasien erschüttert. Über 2 700 Menschen sind verstorben, etliche mehr sind verletzt und obdachlos. Rolf R., der Verantwortliche der HMK, ordnet ein und berichtet, wie sein Team den Betroffenen hilft.
Rolf, wie ging es dir, als du von dem Erdbeben gehört hast?
Bereits kurz nach dem Erdbeben habe ich erste Nachrichten darüber erhalten. Zuerst war wie meistens bei solchen Ereignissen unklar, was wirklich passiert ist. Die Kommunikation in Myanmar wird durch die Regierung stark eingeschränkt. Deshalb kamen nur spärliche Meldungen bis zu mir. Es zeichnete sich dann aber schnell ab, dass der Schaden gross ist und es viele Opfer geben wird.
Die Bilder von panischen Menschen auf den Strassen in Bangkok zu sehen, ging mir schon sehr nahe – war ich doch gerade drei Tage vorher noch in dieser Stadt gewesen.
Was genau wissen wir über die Auswirkungen des Erdbebens?
Am Freitagmittag kam es zu einem Erdbeben der Stärke 7,7 mit Epizentrum in Myanmar. Das Beben war selbst im Nachbarland Thailand spürbar.
In Bangkok stürzte ein Gebäude ein. Die Region, in der das Erdbeben besonders stark war, ist eine Kriegszone. In Myanmar herrscht Krieg zwischen der Militärregierung und Freiheitskämpfern. Um die Städte Saggaing und Mandalay, wo besonders viele Gebäude eingestürzt sind, verläuft die Front. Wir gehen davon aus, dass über 2 700 Menschen in den Trümmern verstorben sind. Es wird immer noch nach Lebenden gesucht. Die Zahl der Verletzten und Obdachlosen ist aber vermutlich viel höher.
Wie ist die aktuelle Situation der Betroffenen?
Viele Menschen lebten schon vor dem Erdbeben an der am Rande der Armut. Sie wohnen im Kriegsgebiet und konnten sich nur wenig ansparen. In Südostasien ist es üblich, seine gesamten Ersparnisse im Haus aufzubewahren. Diese Menschen haben nun alles verloren. Viele trauern um ihre Angehörigen. Unser Partner hat mir von einem älteren Ehemann erzählt, der kurz Tee kaufen wollte. Als er zurückkam, war sein Haus zusammengesackt. Seine Ehefrau, war unter den Trümmern begraben. Diese Schicksalsschläge traumatisieren viele Menschen.
Gleichzeitig sind die Lebensumstände herausfordernd: Es gab in den letzten Tagen über 100 Nachbeben. Aus Angst vor weiteren Beben halten sich die meisten Einwohner draussen auf. Es ist mit über 40 Grad Celsius und wenig Schatten sehr heiss. Die medizinische Versorgung war schon vor dem Erdbeben sehr schlecht. Momentan wurden alle Spitäler geräumt und auch Patienten der Intensivstation liegen in Betten – oder auf dem Boden – einfach auf der Strasse.
Wie beeinflusst der Krieg die Nothilfe?
Der Konflikt zwischen der Militärregierung und den Freiheitskämpfern erschwert die Nothilfe in Myanmar sehr. Die Militärregierung lässt internationale Hilfswerke nicht in die betroffenen Gebiete und blockiert Hilfslieferungen. Die Rebellen versuchen so gut wie möglich zu helfen, ihre Möglichkeiten sind aber begrenzt. Ein paar wenige internationale Hilfswerke sind noch in Myanmar aktiv, und bis jetzt hat die Militärregierung nur Teams aus China und Singapur hineingelassen. In Thailand ist das anders, dort sind aber auch weniger Menschen betroffen.
Wie geht es den Partnern der HMK, wurden sie auch verletzt?
Unser Team lebt nahe am Epizentrum. Sie haben das Beben stark gespürt. Gott sei Dank ist ihnen aber nichts passiert. Auch im Schulheim, das wir unterstützen, ist kein Kind verletzt worden. Unser Partner Isaak sagt: «Für mich ist es eine Erleichterung, dass Pastoren, die ich betreue, verschont geblieben sind. Kirchen sind kaputt gegangen, jedoch Menschen sind dabei nicht umgekommen.» Mittlerweile koordiniert Isaak die Nothilfe und kümmert sich um Erdbebenopfer, die stärker verletzt wurden.
Wie genau helft ihr den Menschen vor Ort?
Die Netzwerke in Thailand und Myanmar organisieren gerade Zelte und beginnen mit dem, was Opfer der Katastrophe am dringendsten brauchen: Essen und Trinkwasser. Einerseits kochen sie für Helfer und Betroffene, die keine Küche mehr haben, andererseits verteilen sie Lebensmittelpakete. Parallel dazu bereiten sie medizinische Teams vor, die Verletzten helfen. Jede Hilfe ist wertvoll – denn schon vor dem Erdbeben war selbst Dafalgan kaum verfügbar.
Wie können wir für die Erdbebenopfer beten?
Zuerst können wir sicher für die betroffenen Menschen beten.
- Trost für alle, die Angehörige und Freunde verloren haben.
- Heilung für die Menschen, die Verletzungen erlitten.
- Heilung für die traumatisierten Menschen.
- Versorgung für alle, die vor dem Nichts stehen und ihr Leben neu aufbauen müssen.
Wir beten, dass die Kämpfe im Land aufhören und sich die unterschiedlichen Gruppen auf ein friedliches Zusammenleben einigen.
Rolf, danke für deine Antworten!
*Name von der Redaktion geändert.